Erziehung - Familie - Geschwister


Überlebensstrategien für Eltern

  • stellen Sie sich auf wechselnde Phasen ein (dabei in guten Phasen Kraftreserven sammeln für schwierige Phasen)
  • denken Sie auch an sich, vor allem der belastete Elternteil benötigt regelmäßig freie Tage, bzw. Kurzurlaub
  •  evtl. ist eine Drittperson zur Hausaufgabenhilfe sinnvoll
  •  eine wichtige Technik ist "Aus dem Feld gehen" oder "Nehmen Sie das Segel aus dem Wind!", das heißt: Erregungsniveau dämpfen, sich selber körperlich kurz abreagieren und tief durchatmen
  • reden Sie nur mit gutwilligen Vertrauten über die Probleme, die anderen denken eh, dass es Erziehungsfehler sind. Bei voreiliger Kritik anderer die Haltung haben: "Wem der Schuh passt, den zieh er sich an!"

Sabine Scheuß www.kunstkeller.de

Einstellung zu unserem Kind

  • Kinder mit Reizfilterschwäche bei Reizoffenheit und Impulssteuerungsschwäche haben es in unserer modernen Kultur mit viel Ablenkung und Hektik sehr schwer
  • sie sind nicht absichtlich böse, aggressiv oder provokativ  
  • die Kinder müssen lernen sich zu strukturieren, zu organisieren, zu steuern
  • Kinder mit Reizfilterschwäche benötigen dringend Hilfe, so wie auch andere stoffwechselgestörte Kinder  
  • sie sollten so angenommen werden, wie sie sind.
  • bitte vor allem nicht an jeder Kleinigkeit herumerziehen!  Keine Nörgelei! Kein Etiketten kleben! "Du bist immer..."

Bücher für den Alltag mit ADHS - ADS

Konsequenz

Konsequenz heißt nicht Strenge, Sturheit, Härte! Um als Eltern Konsequenz auszuüben muss folgende Basis bestehen:  

  • das Kind muss sich angenommen fühlen mit bedingungsloser Liebe
  • Wissen um die Problematik
  • Akzeptanz
  • Entwicklungsstand angepasst
  • Transparenz im Elternverhalten (ehrlich und deutlich)
  • Versprechungen und Richtlinien sollen einschätzbar sein

Ist diese Basis vorhanden, äußert sich konsequentes Verhalten durch folgende Aspekte:  

  • Eltern müssen zu ihren Worten stehen und Taten folgen lassen
  • Konsequenzen dürfen nicht zur Diskussion stehen, kein erneuter Raum für Tricks lassen.
  • Kinder sollten Sicherheit spüren.  
  • Impulsive Strenge mit spontaner Strafandrohung ist zu vermeiden  
  • Instruktion, evtl. mit Körperkontakt mit der Technik : FDH = einmal "freundlich" einmal "deutlich" einmal "harsch" soll eine Regel altersgemäß formuliert, eingefordert werden.

FDH =            freundlich          deutlich     harsch


Geschwister

ADHS Kinder fühlen sich oft ungerecht behandelt. Leider sind sie ja auch nicht selten Schuld an Konflikten. Aber Geschwister wissen auch genau wie ADHS Kinder zu provozieren sind.  Besser nicht nach dem Schuldigen forschen, man weiß ja eh nicht alle Details, sondern die Kinder mit deutlichen Worten und Gesten  trennen. 

Aufeinander rumhacken sollte ignoriert werden, lieber "verantwortungsvolle" Jobs austeilen.

Das Gleiche ist natürlich auch bei Klassenkameraden der Fall. Auch sie wissen wie sie einen "Hypie" zum "Platzen" bringen können. (Leider habe ich erlebt, dass von Klassenkameraden gezielt provoziert wurde, um den "Störenfried" loszuwerden. Er hatte angedroht bekommen, dass er, falls er noch mal ausrastet, er die Klasse verlassen muss.)  

Geschwister sollten aber gegebenenfalls auch geschützt werden, z.B. ihr Zimmer abschließen dürfen

Alltagsstruktur

Regeln helfen den Kindern zur Selbststeuerung:

  •  deutlich reizreduziertes Umfeld
  •  keine Störung, nur Benötigtes soll auf dem auf dem Tisch stehen
  •  Zeitlimit setzen
  • "trotthafte" Alltagsabläufe
  • gleichbleibende Rituale und Gewohnheiten geben Orientierung und Sicherheit
  • zwischendurch eine Auszeit einrichten wenn das Kind zu aufgedreht ist (z.B. wegen Besuch). Z.B. in einer Hängematte eine Geschichte vom MP3 Player anhören und was knabbern. Ein aufgewühlter Teich ist trübe und braucht Ruhe bis sich alles wieder gesetzt hat und er wieder klar ist. So geht es auch Ihrem Kind. 

Geduld, Humor und gute Nerven

Für Eltern kann die Erziehung eines Kindes mit ADHS eine sehr schwierige Situation darstellen. Empfehlenswert sind stets starke Nerven und das Bewahren von Ruhe und Humor, Humor....

"Es kam eine Stimme aus dem Chaos, die sprach, freue Dich und sei heiter, es könnte schlimmer kommen, -und ich freute mich und war heiter und es kam schlimmer..." Das heißt: Ist man auf alles gefasst, kann man gelassener reagieren!!

Nehmen Sie sich (mit Augenzwinkern) diese Vorbilder aus Kinderliteratur und Kinderfilmen zu Herzen:

 

Balou - der Bär aus dem Dschungelbuch, der, was Mogli auch immer anstellt, am Fuß der Palme bleibt "Immer mit Gemütlichkeit, mit Ruhe und Gemütlichkeit!". Keinesfalls den Zwergschimpansen auf der Palme, Kokosnüsse werfend (also: Schimpfen, Bloßstellen, Schreien etc).

Meister Eder - der brummelig, ruhig und bestimmt dem kleinen Pumuckl Grenzen setzt: d.h. "freundlich humorige Distanz mobilisieren, das Motzen nicht persönlich nehmen, sondern als "Sprechdurchfall ins imaginäre Klo gleiten lassen". (Neuhaus)

Pettersson - der sich vom extrem hyperaktiven Kater Findus nicht aus der Ruhe bringen lässt. Als Eltern und Pädagogen sollten wir uns an dem etwas griesgrämigen, aber gelassen wohlwollend reagierenden Pettersson eine "dicke Scheibe abschneiden". Er nimmt ihn einfach so an, wie er ist. Wie der der gemütliche Pettersson mit ihm umgeht, kann uns allen als Vorbild dienen.