Behandlung: Kreative Gestalttherapie


ADS/ADHS macht hilflos. Die Kinder und Jugendlichen ebenso wie Eltern, Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer. Hilflosigkeit kann zu Verzweiflung führen, zu Resignation oder in die Aggression. Kreative Therapie bietet Hilfen. Keine Patentrezepte – die gibt es nicht, aber Verstehen, was in den Kindern geschieht, und praktische Hilfestellungen. Zusammengefasst wurden diese Hilfestellungen im Semnos®-Konzept. Semnos® bedeutet Würde.

Das Semnos®-Konzept würdigt die Innenwelten der Kinder mit ADS/ADHS und holt sie aus ihrer Welt ab.

Worte allein reichen oft nicht, um Kinder, die an ADS/ADHS leiden, zu erreichen. Die kreativen Möglichkeiten des Musizierens und des Gestaltens, des Tanzens und der Bewegung eröffnen vielfältige Chancen, diese Kinder und Jugendlichen zu verstehen und ihnen zu begegnen. Oft kann so ein Boden auch für das Wort, die verbale Verständigung bereitet werden.

Gestaltungstherapie

 Ein „ADHSler“ befindet sich durch eine Überreaktion des Nervensystems und mangelndem Reizfilter oft auf einem hohen Erregungs- und Spannungslevel. Das Kind soll daher vor allem lernen sich dabei

  • selbst einzuschätzen,
  • zu beobachten,
  • sich kennen und
  • steuern zu lernen,

um so mit seiner „Besonderheit“ besser umgehen zu können.

Es soll beobachten:

  • Wann fängt meine Unruhe meistens an?
  •  Wie und wodurch wird sie ausgelöst?
  • Was kann ich tun, damit ich über die Unruhe, und nicht die Unruhe über mich bestimmt?
Ein Praxisbeispiel einer Gestalttherapeutin mit Marc 14 Jahre:

Wir reflektieren den Tag. M. wird aufgefordert: „Nimm mal ein Instrument und spiel mal wie heute dein Tag war.“ M. agiert und ich versuche auf einer Papierrolle eine Erregungskurve darzustellen, zu dem, was die Musik an Gefühlen vermittelt.

Dann spiele ich meinen Tag. Das Kind malt zu Gehörtem. Gemeinsam schauen wir die Ergebnisse an. Man kann man deutliche Unterschiede erkennen.

M. fällt auf, dass in meiner Kurve deutlich mehr Ruhephasen sind und meint: „Oh Mann! Solche Phasen hätte ich auch gerne.“ „Wir wollen mal schauen, ob es in deinem Bild auch solche Phasen gibt!“, und entdecken einige kleine Punkte. „Was war da?“ „Was hat dich da zur Ruhe gebracht?“ „Ja, in dem Augenblick habe ich das und das gemacht.“

Er stellt fest, dass er die größte Unruhe spürt, wenn er still sitzen muss und sich selbst nicht spüren kann. In Bewegung geht es ihm deutlich besser, also beim Fahrrad fahren, Fußball spielen, Karatetraining.

Im Therapieverlauf erfährt er, wie er sich mit oft einfachen Maßnahmen vor Unruhe und Übererregung schützen kann. Er meint dass er da nicht zu viel sehen darf (optische Ablenkung) und baut sich eine Ruhehöhle. Dabei probiert er aus, welche Gegenstände dabei nützlich und hilfreich sind und welche er besser lässt. Er beobachtet, dass er sich besser konzentrieren kann, wenn er Kaugummi kauend an einem Stehtisch lernt, oder baumelnd in der Hängematte, oder auf der IKEA Banane balancierend.

Mit einem Tetraband erleben wir, wie sich zwischenmenschliche Spannungen körperlich nachvollziehen lassen. „Wir ziehen jetzt beide am Tetraband und machen das mal so stark, wie auch die Spannung zwischen dir und deinem Lehrer ist." Hier kann er körperlich spüren, was Spannungen sind und wie sie sich anfühlen. Nämlich „tierisch anstrengend!“

Wie können wir die Spannungen abbauen? Indem wir beide aufeinander zugehen. Wenn nur einer zugeht, kann der andere zurückweichen und die Spannung bleibt weiter bestehen. Wie könnte das Aufeinander zugehen in deiner Situation aussehen?

Das Ziel ist, dass Marc sich selber und seine Reaktionen immer besser kennen lernt und für seine Befindlichkeit selbstverantwortlich sorgen lernt. Dass er rechtzeitig erkennt, wenn es im Begriff ist, wieder „brenzlig“ zu werden. Dass er „Herr im eigenen Hause“ wird.

Auch wenn der Therapieverlauf „drei Schritte vor und zwei zurück ist“, so geht es doch zwar langsam, aber immerhin in die richtige Richtung.

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