Michel aus Lönneberga zurück
Michel aus Lönneberga von Astrid Lindgren

Auf
Michel treffen viele Persönlichkeitsmerkmale typischer ADHS Kinder
zu. So lustig sich manche Episoden auch heute anhören, das
Zusammenleben mit ihm war manchmal doch ganz schön anstrengend!
Entsprechend genervt reagierte seine Umgebung. Die Dorfnachbarn
beratschlagten schon, ob man nicht Geld dafür sammeln könnte, um
Michel nach Amerika zu schicken. Aber Lina, die Magd des Hofes (die
auf Michel gar nicht gut zu sprechen ist) hat Mitleid mit den
Amerikanern: "Die hatten doch gerade erst das große Erdbeben gehabt.
Da können wir ihnen doch nicht noch den Michel schicken!"
Besonders Vater und Sohn "leiden" aneinander. Dabei meint er es
immer so gut! "Kaum gedacht und schon getan" So könnte man sein
Handeln kennzeichnen. Als Vater mit Bauchschmerzen im Bett liegt,
erinnert er sich daran, dass Mutters Hausmittel in diesen
Situationen ein erwärmter Topfdeckel ist. Schnell erhitzt er einen
solchen (schön heiß, damit er auch nützt) und legt ihn dem dösenden
Vater auf dem Leib... !!! ...
Er
darf mit dem Vergrößerungsglas von Frau Petrell spielen. Man kann es
auch als Brennglas verwenden. Michel schaut sich nach etwas richtig
gut Brennbaren um. Die zerzausten Straußenfedern auf Frau Petrells
Hut sahen ziemlich feuerempfindlich aus...
Zuhause sind
die Weihnachtsvorbereitungen abgeschlossen, die Speisekammer ist
gefüllt mit leckeren Gerichten: Pasteten, Schinken, Käse,
Spanferkel, Käsekuchen u.v.m. Da kommt der arme Stolle-Jockel und
berichtet von den Zuständen im Armenhaus. Michel packt das Mitleid.
In Abwesenheit der Eltern lädt er alle Armenhäusler spontan zum
großen Weihnachtsfestschmaus ein und erfreut sich am gesunden
Appetit seiner "Gäste" und an seinem gutem Werk. Zu den Bedenken
seiner kleinen Schwester, dass das Essen doch für den
Weihnachtsbesuch der demnächst eintreffenden Verwandten vorbereitet
ist, meint er: "Die sind schon dick genug! Es ist doch wohl besser,
das Essen kommt dahin, wo es etwas nützt!!" ...
Gut tun die Michelgeschichten vor allem deshalb, weil die
liebenswerten, positiven, sozialen, originellen Eigenschaften eines
ADHS-Kindes hervorgehoben werden. Denn meint er es immer so gut....!
Interessant sind auch die Menschen rundum:
- seine kleine Schwester - lieb und naiv. Gern stichelt er sie
zu allerhand Streichen an, bringt ihr Schimpfwörter bei usw.
- die Mutter - sie liebt ihn bedingungslos und erkennt hinter
allen Streichen und Fehlverhalten doch seinen guten Charakter.
Sie schreibt seine Streiche auf, hat damit derart zu tun, dass
Vater "Bleistift-Verschwendung" befürchtet.
- der Vater - er hat am meisten zu leiden - und wird furchtbar
wütend. Gut, dass es den Schuppen gibt. Er soll zwar Strafe
sein, aber Michel findet dort auch Zuflucht bis der Zorn
verraucht ist.
- Lina die Magd - sie ist völlig genervt von dem kleinen
Bengel, der ihr meistens überlegen ist. Sie ist schadenfreudig,
wenn er in den Schuppen gesperrt wird, dann ist sie ihn erst mal
los.
- Alfred der Knecht - ist die wichtigste Person im Leben des
Michel und bewahrt ihn vor größeren seelischen Schäden. Er nimmt
und akzeptiert Michel einfach so wie er ist. Palavert nicht
viel, eher machen sie was zusammen, verhält sich wie ein großer
Bruder freundschaftlich und partnerschaftlich zu ihm.
- Die Leute der Gegend hören begierig darauf, was die alte
Tratschtante zu berichten hat von diesem schrecklichen Kind da
oben in Lönneberga. "Da muss man sich doch sehr wundern, gut
dass unsere Kinder so wohlerzogen sind", denken sie.
Bildquelle: Michel aus Lönneberga © Verlag Friedrich Oetinger, Hamburg
Bildquelle:
Michel aus Lönneberga © Verlag Friedrich Oetinger, Hamburg